Rechtslage

Gesetze und Verordnungen sind die Grundlage unseres Bildungssystems. Durch Erlasse regeln das Schulministerium und die Bezirksregierungen den Inhalt und die Ausgestaltung des Unterrichts.

Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen
In mehreren Artikeln wird die Gleichstellung von Kindern und Jugendlichen mit Erwachsenen im Hinblick auf die universellen Menschenrechte betont.
Besonders hervorzuheben ist das generelle Gewaltverbot gegenüber Kindern und Jugendlichen. Körperliche Züchtigung ist genauso untersagt wie psychische Unterdrückung. Staat und Gesellschaft - also wir alle - haben die Aufgabe, Kinder und Jugendliche vor diesen Übergriffen zu schützen - auch gegenüber den Eltern dieser Kinder und Jugendlichen.
Neben Eltern haben auch religiöse Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände die Aufgabe, sich um die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu kümmern. (Artikel 6)

Die Erziehung zu Menschlichkeit, zum Respekt vor dem Anderssein und zur Demokratie stehen im Vorgrund aller Erziehungsbemühungen. Ihnen ist in jedem Fall Vorrang einzuräumen - vor allen anderen religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen von Eltern und Gemeinschaften. Zum Anderssein gehören das jeweils andere Geschlecht, andere Nationalitäten, Religionen, sexuelle Orientierungen und körperliche wie geistige Einschränkungen. Rassismus, Sexismus und alle anderen Formen der Diskriminierung sind verboten. (Artikel 7, Artikel 11)

Um das Recht eines jeden Kindes und Jugendlichen auf Erziehung und Bildung durchsetzen zu können, besteht eine allgemeine Schulpflicht. Das bedeutet, dass jedes Kind im schulpflichtigen Alter auch zur Schule gehen muss. Es liegt weder im Ermessen der Eltern noch der Kinder und Jugendlichen, ob sie eine Schule besuchen wollen. Die Schulpflicht hat Vorrang vor Familienfeiern, religiösen Festen, Besuchen in den Herkunftsländern oder anderen nicht von der Schulleitung genehmigten Anlässen für Fernbleiben vom Unterricht.
Alle Schulen, private wie öffentliche, unterliegen der Aufsicht durch das Land NRW. Diese Ausicht stellt sicher, dass der Unterricht und die dort vermittelten Inhalte den kulturellen und sozialen Bedürfnissen des Landes entsprechen. Das bedeutet, dass an Schulen nichts unterrichtet werden darf, was gegen die Kultur und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten des Landes gerichtet ist. (Artikel 8)

Die Schulbildung ist für alle Kinder und Jugendliche kostenfrei. (Artikel 9)
Das Land NRW stellt sicher, dass alle Kinder und Jugendliche genügend Schulplätze, genügend Unterrichtsmaterial und genügend qualifizierte Lehrkräfte an den von ihnen ausgesuchten Schulen zur Verfügung stehen.
Außerdem sind die Eltern aufgefordert, an der Entwicklung der Schulen, die von ihren Kindern besucht werden, mitzuarbeiten. (Artikel 10)

Christliche Kultur- und Bildungswerte sind der Orientierungsrahmen für Gemeinschaftsschulen. Allerdings müssen sie zur Offenheit gegenüber anderen religiösen und weltanschaulichen Richtungen erziehen. (Artikel 12) Keine Gemeinschaftsschule darf ein Kind oder Jugendlichen aus Gründen des religiösen bekenntnisse ablehnen. (Artikel 13)

Aber auch die Erwachsenenbildung ist als Aufgabe von Staat, Gemeinden, Kirchen und freien Einrichtungen zu fördern. (Artikel 17)
 

Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen
Weder Geschlecht noch wirtschaftliche Verhältnisse sollen Kinder und Jugendliche daran hindern, ihrem Recht auf Bildung nachzukommen. Das bedeutet, dass Mädchen genauso wie Jungen bis zu ihrem 18. Lebensjahr der Schulpflicht unterliegen und eine Schule oder - im Fall einer Ausbildung - die Berufsschule besuchen müssen. Welche Schullaufbahn für Kinder und Jugendliche die richtige ist, bestimmen drei Faktoren: der Wille ihrer Eltern und die eigenen Interessen und die eigene Fähigkeit zum Lernen. (§ 1 Recht auf Bildung, Erziehung und individuelle Förderung)

Die Erziehungs- und Bildungsaufgaben der Schule sind sehr umfangreich. Die vornehmste Aufgabe von Schule ist der Erhalt und die Förderung der Lernfreude junger Menschen.
Sie vermittelt die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen unter Berüücksichtigung der individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen wird so unterstützt, dass sie zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen, die eigenverantwortlich, selbstständig und selbstbewusst erfolgreich an unserer gesellschaft teilnehmen und diese mitgestalten können, ohne an ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit zu verzagen. Das gemeinsame Lernen von Mädchen und Jungen ist in Regel. Das gilt auch für den Sportunterricht.
Um diese Aufgabe erfolgreich umsetzen zu können, arbeitet die Schule mit den Eltern zusammen. Das bedeutet, dass die Eltern aufgefordert sind, sich an der schulischen Entwicklung ihrer Kinder zu beteiligen und aktiv mit den Lehrkräften gemeinsam an der Verwirklichung der Erziehungs- und Bildungsaufgaben zusammenzuarbeiten. Ein Rückzug der Eltern aus schulischen Belangen ist zu keinem Zeitpunkt des Schulbesuchs ihrer Kinder vorgesehen. Besondere Aufmerksamkeit von Eltern und lehrkräften ist in Situationen erforderlich, in denen die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt ist. Hier müssen in enger Abstimmung gemeinsame Lösungen gefunden werden. Es ist nicht Aufgabe der Lehrkräfte oder der Eltern allein, den Kindern und Jugendlichen in einer solchen Situation beiszustehen.
Lehrkräfte sind zu strikter weltanschaulicher und religiöser Neutralität verpflichtet. Sie dürfen weder ihrer politischen noch ihren religiösen oder weltanschaulichen Einstellungen in Wort, Kleidung oder offen zur Schau getragenen Symbolen kundtun. Und sie müssen alles unternehmen, dass ihre Schülerinnen und Schüler zu einer offenen, akzeptierenden und diskriminierungsfreien Haltung angehalten werden. (§ 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule)

Vergleiche dazu auch das Kerncurriculum für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst für Lehrämter in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und in den Ausbildungsschulen. Hier ist besonders das Handlungsfeld 5 Vielfalt als Herausforderung annehmen und Chancen nutzen von besonderem Interesse. Näheres dazu im Infoblock auf der rechten Seite.